22.4.2021

Kloster Wiblingen

23. April ‒ UNESCO-Welttag des Buches: Kloster Wiblingen war ein Ort der Bücher

(ssg) Am 23. April ist der UNESCO-Welttag des Buches – ein guter Anlass, um einen Blick auf die großen Buch-Traditionen im Land zu werfen: etwa in Kloster Wiblingen vor den Toren von Ulm. Berühmt und viel besucht ist der Bibliothekssaal aus dem 18. Jahrhundert. Der grandiose Raum feiert eine Tradition, von der nicht viele wissen: Im Mittelalter war Kloster Wiblingen ein bedeutender Ort für die Buchproduktion.

Ehem. Kloster Wiblingen, Bibliothekssaal. Foto: SSG/Günther BayerlEhem. Kloster Wiblingen, Galerie im Bibliothekssaal. Foto SSG/LMZ, Armin WeischerEhem. Kloster Wiblingen, Bibliothekssaal. Foto: SSG/Günther Bayerl

Galerie im Bibliothekssaal. Foto SSG/LMZ, Armin Weischer

Welttag des Buches – Feiertag des Lesens

1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Der 23. April ist außerdem der Todestag von zwei historisch bedeutenden Schriftstellern: William Shakespeare und Miguel de Cervantes. Heute sind Bücher für alle erschwinglich und überall stehen die Bibliotheken für alle Menschen offen. Im späten Mittelalter war das bei weitem noch nicht so: Klöster wie das Benediktinerkloster Wiblingen waren Inseln in einer bücherlosen Welt – und ihre Buchbestände kostbare Schätze.

Das Kloster war ein Zentrum der Buchkunst

Das eindrucksvolle barocke Kloster vor den Toren der alten Reichsstadt Ulm war vor Jahrhunderten reich und mächtig – und obendrein ein Ort der Bücher und der Bildung. Im späten Mittelalter besaß Kloster Wiblingen sogar eine eigene blühende Schreiberwerkstatt. Lange, bevor der Buchdruck seine Verbreitung fand, schrieben spezialisierte Künstler und Fachleute hier die Bücher – von Hand. Auch das war ein Grund, dass die Bibliothek des Klosters besonders kostbare alte Handschriften enthielt.

2009 zeigten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in einer Ausstellung mit dem Titel „Rosenblatt und Federkiel“ die Spuren dieser wenig bekannten großen Wiblinger Tradition. Die Exponate der Schau belegten, wie produktiv die Wiblinger Mönchswerkstatt war – vom frühen Mittelalter an. Ganz eindeutig: Der Stand der Wissenschaft in Wiblingen war hoch und Bildung eine zentrale Aufgabe. Die Bücher der Bibliothek deuten darauf hin: Das Kloster sorgte für die Schulbildung und für die medizinische Versorgung der Umgebung.

Der berühmte Bibliothekssaal als Schatzhaus

Bis zur Auflösung des Klosters in der Säkularisation am Beginn des 19. Jahrhunderts verfügte das Kloster über eine große Bibliothek. Den berühmten Bibliothekssaal, der bis heute eine der beeindruckendsten Raumschöpfungen in Oberschwaben ist, errichteten die Mönche genau für diese Bücherschätze. Der Saal, ein Meisterwerk der Architektur, Skulptur und Malerei des Rokoko, entstand zwischen 1740 und 1750 unter Abt Meinrad. Schon von außen lässt die hervortretende Fassade des Mittelbaus im Nordflügel erkennen, welche Dimension der Saal hat: Er erstreckt sich über zwei Geschosse und nimmt mit 23 Metern Länge und 11,5 Metern Tiefe den Nordflügel vollständig ein.

Maler Franz Martin Kuen schuf 1744 das beeindruckende Deckenfresko. Grundlage dafür war ein gelehrtes Bilderprogramm: Heidnische und christliche Quellen abendländischen Wissens und klösterlicher Gelehrsamkeit werden den Betrachtern vor Augen geführt. Im Mittelpunkt des Gemäldes steht eine von Engeln umgebene Frauengestalt: die göttliche Weisheit, die über allem herrscht. Die Botschaft des Deckenbildes ist nichts anderes als die Verherrlichung des Wissens, das in der Bücherschatzkammer von Kloster Wiblingen versammelt war. „Alle Schätze der Weisheit und der Wissenschaft“ sind hier verfügbar – so die Inschrift über dem Bibliotheksportal. Kloster Wiblingen präsentierte mit besonderem Stolz die Bedeutung der eigenen Buchtradition.

In der Blütezeit der Bibliothek, dem 18. Jahrhundert, umfasste sie etwa 15.000 Bände. Das ist mehr, als manche zeitgenössische Universitätsbibliothek besaß. Ungewöhnlich, aber nicht unüblich, war es, dass in Wiblingen alle Buchrücken weiß angestrichen oder mit hellem Papier beklebt waren. Damit sollten sich die Bücher optisch in die Raumgestaltung einfügen. Zugleich sparte das Kloster die Kosten für teure Einbände in hellem Schweinsleder. Nach der Säkularisation wurde der reiche Buchbestand auf mehrere Bibliotheken verteilt.

Weltweites Lesefest

Seit 1995 findet jedes Jahr am 23. April der „Welttag des Buches“ statt. Mit dem weltweiten Aktionstag feiern die UNESCO das Lesen, Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung ließ sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Deutschlandweit finden seit 1996 zahlreiche Veranstaltungen und Lesungen statt, organisiert von Buchhandlungen, Verlagen, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterten.

Aktuell ist Kloster Wiblingen wie die meisten Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen aufgrund der Corona-Verordnung des Landes geschlossen.

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