Projekt kulturer.be
21.7.26
Erinnerungstafel am heutigen Amtsgericht, wo Johann Peter Hebel 1826 starb.
Foto: Tobias Schwerdt7Stadt Schwetzingen
(stsw) Vor 200 Jahren endete in Schwetzingen das Leben eines der bedeutendsten Dichter des alemannischen Sprachraums: Johann Peter Hebel. Als Hebel seinen Freund, den großherzoglichen Gartendirektor Johann Michael Zeyher, im damaligen Gesandtenhaus – dem heutigen Amtsgericht besuchte, war er sterbenskrank.: Am 22. September 1826 verstarb er hier. Das Hebelgrab auf dem Platz der Freundschaft, unweit des Hebelhauses in der Hildastraße, erinnert bis heute an den Schriftsteller, Pädagogen und ersten Prälaten der Evangelischen Landeskirche. Seine berühmten Werke wurden schon im 19. Jahrhundert ins Französische, Russische, Englische, Niederländische und gar ins Japanische übersetzt. Voller Weisheit, Witz, Naturverbundenheit und Empathie erreichen sie die Menschen bis heute.
Tickets und Reservierungen ab sofort
Mit einer abwechslungsreichen Gedenkwoche erinnert die Stadt Schwetzingen vom 19. bis 27. September 2026 an den 200. Todestag Johann Peter Hebels. Wissenschaftliche Vorträge, Lesungen, ein Poetry Slam, eine Schülerausstellung sowie ein ökumenischer Festgottesdienst beleuchten Leben, Werk und Wirkung des Dichters aus unterschiedlichen Perspektiven. Ein besonderer Bestandteil des Programms ist der literarische Stadtrundgang durch die Innenstadt, welcher auch durch Infotafeln für die Besucher und Besucherinnen erlebbar gemacht wird.
Rundgang im öffentlichen Raum „Auf den Spuren von Johann Peter Hebel in Schwetzingen“
An sechs Stationen wird Hebel im öffentlichen Raum des Schwetzinger Stadtkerns sichtbar und neu erfahrbar gemacht. Temporäre Aufsteller mit der markanten Hebel-Silhouette, kurzen Texten und QR-Codes laden dazu ein, Schwetzingen aus seiner literarischen Perspektive neu zu entdecken. Die Stationen führen unter anderem zum Palais Hirsch, zur Stadtbibliothek, zum heutigen Amtsgericht sowie zum Platz der Freundschaft und erzählen von Hebels letzten Tagen, seinen Weggefährten und seinem Wirken als Dichter, Theologe und Pädagoge. Der Rundgang verbindet Stadtgeschichte mit zeitgemäßer Gestaltung und richtet sich bewusst an unterschiedliche Generationen – von kulturinteressierten Erwachsenen bis hin zu Schülerinnen und Schülern.
Die Veranstaltungen im Überblick:
Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildet am Samstag, 19. September, das wissenschaftliche Symposium „Johann Peter Hebel – Prälat, Dichter, Mensch“ im Palais Hirsch. In fünf Beiträgen widmen sich Fachreferenten Hebels Theologie, Pädagogik, Literatur, seinem Ökologieverständnis und seiner Rezeptionsgeschichte. Veranstaltet wird das Symposium von der Stadt Schwetzingen in Kooperation mit der Volkshochschule Bezirk Schwetzingen, dem Landesverein Badische Heimat e. V. Regionalgruppe Schwetzingen sowie dem Mannheimer Altertumsverein von 1859 e. V. Der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung ist erforderlich unter: lars.maurer@schwetzingen.de; 06202 - 87 468
Am Todestag Hebels selbst, Dienstag, 22. September, richtet sich der Blick besonders auf junge Perspektiven: Unter dem Titel „Hebel heute – für junge Leute“ gestalten die Initiative „LeseZeit“ und Schülerinnen und Schüler des Hebel-Gymnasiums einen Poetry Slam sowie die Vernissage einer begleitenden Schülerausstellung in der Stadtbibliothek Schwetzingen. Die Veranstaltung verbindet klassische Literatur mit modernen Ausdrucksformen und zeigt, wie aktuell Hebels Gedanken bis heute geblieben sind. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei
Mit literarischen und persönlichen Annäherungen an den Dichter setzt sich die Lesung von Thomas Weiß am Mittwoch, 23. September auseinander. Unter dem Titel „Theuerste Freundin! Frauen um Johann Peter Hebel“ beleuchtet der Autor bislang wenig bekannte Facetten des „ewigen Junggesellen“. Thomas Weiß liest ebenfalls das Kapitel über Hebels Tod in Schwetzingen aus dem Buch “Johann Peter Hebel - Der Heimatflüsterer“. Thomas Weiß wurde 1961 in Karlsruhe geboren, studierte Theologie in Bielefeld und Heidelberg, ist Pfarrer und Erwachsenenbildner in der badischen evangelischen Landeskirche. Er ist evangelischer Theologe, Autor und Herausgeber und lebt in Baden-Baden. Seine letzten Werke „Theuerste Freundin! – Frauen um Johann Peter Hebel (Kröner Verlag Edition Klöpfer) und Johann Peter Hebel – Der Heimatflüsterer (8 Grad Verlag). Tickets ab 12 EUR / erm. 8 EUR, ab sofort in der Stadtbibliothek oder Reservierung für die Abendkasse unter: stadtbibliothek@schwetzingen.de; 06202 - 87 271
Ein weiterer Höhepunkt folgt am Donnerstag, 24. September: Literaturkritiker Denis Scheck widmet sich in seinem Festvortrag „Großes Haus, reiches Schiff, enges Grab: Wiedersehen mit Kannitverstan“ Leben und Werk Hebels und seiner bis heute anhaltende literarische Bedeutung. Denis Scheck wurde 1964 in Stuttgart geboren, lebt heute in Köln. Er studierte Germanistik, Zeitgeschichte und Politikwissenschaften und ist einer der bekanntesten Literaturkritiker im deutschsprachigen Raum, Übersetzer, Herausgeber und Moderator. Er gibt in mehreren Formaten Literaturlisten heraus. Bekannt durch die ARD-Sendung „Druckfrisch“ und SWR-Sendung „Lesenswert“. Tickets: 15 EUR / erm. 12 EUR, in der Stadtbibliothek oder Reservierung für die Abendkasse unter: stadtbibliothek@schwetzingen.de; 06202 - 87 271
Ein besonderer Höhepunkt der Gedenkwoche ist die offizielle Gedenkveranstaltung am Samstag, 26. September 2026. Sie beginnt um 14 Uhr mit einer feierlichen Kranzniederlegung am Hebelgrab auf dem Platz der Freundschaft, wo Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Schwetzingen, des Landesvereins Badische Heimat sowie Gäste des Hebel-Gedenkens dem Dichter ihre Ehre erweisen.
Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von einer Gruppe von Hebelmusikern und der Musik-AG des Hebelgymnasiums, die mit traditionellen Melodien durch die Straßen Schwetzingens ziehen und den Festzug begleiten. So entsteht eine besondere Atmosphäre, die an die Zeit Johann Peter Hebels erinnert und das Gedenken lebendig werden lässt.
Im Anschluss bewegt sich die Festgesellschaft zum Palais Hirsch. Dort wird beim traditionellen Hebeltrunk und einer Ansprache von Oberbürgermeister Steffan die Erinnerung an den großen alemannischen Dichter, Pädagogen und Prälaten gepflegt. Ein weiterer Programmpunkt ist die Verleihung des Hebelpreises an Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen in Schwetzingen. Mit der Auszeichnung werden junge Menschen geehrt, die sich in besonderer Weise mit Hebels Werk und dessen heutiger Rezeption und Aktualität auseinandergesetzt haben. Eine Rezitation auf alemannisch durch Hausens Bürgermeister Lotter rundet den Festakt ab.
Den feierlichen Abschluss der Gedenkwoche bildet am Sonntag, 27. September 2026, um 11 Uhr ein ökumenischer Festgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Schwetzingen. Gestaltet wird der Gottesdienst von Prälatin Heide Reinhardt, dem evangelischen Pfarrer Steffen Groß sowie dem katholischen Pfarrer und Dekan Uwe Lüttinger.
Der Gottesdienst erinnert an Johann Peter Hebel als Theologen und kirchlichen Würdenträger. Nach dem Zusammenschluss der lutherischen und reformierten Landeskirche wurde Hebel 1819 zum Prälaten der unierten evangelischen Kirche in Baden ernannt. In dieser Funktion gehörte er zugleich der Ersten Kammer des Badischen Landtags an. Der ökumenische Festgottesdienst würdigt damit eine oft weniger bekannte, für Hebels Leben und Wirken jedoch zentrale Facette seiner Persönlichkeit und schlägt zugleich eine Brücke zwischen Literatur, Glauben und gesellschaftlichem Engagement.
Sonderführung zum Hebel-Gedenken
Anlässlich des 200. Todestages von Johann Peter Hebel bietet die Tourist Information Schwetzingen eine extra konzipierte kostenfreie Stadtführung an. Am Sonntag, 27. September, 12.30 Uhr, im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst können Interessierte unter der fachkundigen Leitung von Dr. Christoph Bühler auf den Spuren des Dichters, Pädagogen und Prälaten durch Schwetzingen wandeln und dabei mehr über dessen Leben, Wirken und seine enge Verbindung zur Stadt erfahren.
Die speziell für das Hebel-Gedenken konzipierte Führung beleuchtet die letzten Lebenstage Hebels in Schwetzingen, seine Freundschaft zu Johann Michael Zeyher sowie seine Bedeutung als einer der wichtigsten Schriftsteller des alemannischen Sprachraums. Historische Orte, spannende Hintergründe und unterhaltsame Anekdoten machen die Persönlichkeit Johann Peter Hebels lebendig und bieten einen besonderen Blick auf die Geschichte der Stadt. Um Anmeldung wird gebeten: Touristinformation, Dreikönigstraße 3: 06202 87400; touristinfo@schwetzingen.de.
Mit dem umfangreichen Programm würdigt die Stadt Schwetzingen nicht nur das literarische Erbe Johann Peter Hebels, sondern macht zugleich deutlich, wie lebendig Erinnerungskultur im öffentlichen Raum gestaltet werden kann.
Weitere Informationen zum Programm und zum Rundgang unter: www.visit-schwetzingen.de
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