26.8.2021

Schloss Heidelberg

Vor 425 Jahren geboren – Elisabeth Stuart und Pfalzgraf Friedrich

(ssg) Nur wenige Tage Altersunterschied trennten die englische Prinzessin Elisabeth Stuart und den pfälzischen Kurprinzen Friedrich voneinander – Elisabeth wurde am 19. August, Friedrich am 26. August 1596, vor genau 425 Jahren, geboren. Um die Macht des protestantischen Lagers in Europa zu stärken, wurden die beiden miteinander verheiratet. Aus der Hochzeit, die aus politischen Gründen stattfand, soll sich eine Liebesehe entwickelt haben. In der Schlossanlage der Heidelberger Residenz weisen zwei Bauwerke und der legendäre Hortus Palatinus auf das Kurfürstenpaar auf dem Höhepunkt ihrer Macht hin.

Kurfürst Friedrich V. als König von Böhmen. Gerrit van Hontorst, 1634. Kurpfalzisches Museum Heidelberg, Leihgabde des Minsísteriums für Wissnschaft und Kunst BW. Wikimedias Commons /PD.Kurfürstin Elisabeth als Königin von Böhmen. Gerrit van Honthorst, 1634. Kurpfälzisches Museum Heidelberg. Wikimedia Commons/PD.Kurfürst Friedrich V. als König von Böhmen. Gerrit van Hontorst, 1634. Kurpfalzisches Museum Heidelberg, Leihgabde des Minsísteriums für Wissnschaft und Kunst BW. Wikimedias Commons /PD.

Kurfürstin Elisabeth als Königin von Böhmen. Gerrit van Honthorst, 1634. Kurpfälzisches Museum Heidelberg. Wikimedia Commons/PD.

Vor 425 Jahren geboren: Elisabeth und Friedrich

1596 konnte sich das schottische Königshaus in Fife und das pfälzische Kurfürstenpaar im Jagdschloss Deinschwang über Nachwuchs freuen. Am 19. August wurde Elisabeth Stuart, Tochter von König Jakob VI. von Schottland und seiner Frau Anna von Dänemark, geboren. Sieben Tage später, am 26. August, erblickte der Kurprinz Friedrich als Sohn des Kurfürsten Friedrich IV. und dessen Frau Luise Juliane von Nassau-Oranien in der Oberpfalz das Licht der Welt. Dass sich ihre Wege kreuzen würden und aus einer Zweckverbindung eine Liebesehe werden würde, war damals noch nicht vorherzusehen.

Hochzeit mit politischer Bedeutung

Jakob VI. von Schottland, der seit 1603 auch als Jakob I. König von England war, war einer der mächtigsten protestantischen Herrscher seiner Zeit. Auch der junge Kurprinz Friedrich genoss eine streng calvinistische Erziehung, die seine Entscheidungen als Kurfürst seit 1610 stark beeinflusste. Im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges wuchsen die Spannungen zwischen dem Kaiser und der Katholischen Liga einerseits und der Protestantischen Union andererseits. Um einen starken Bündnispartner zu haben, liefen seit 1612 in London Verhandlungen über eine Hochzeit des Kurfürsten Friedrich V. mit Elisabeth Stuart, eine der begehrtesten Prinzessinnen ihrer Zeit. Mit Erfolg: Am 14. Februar 1613 wurde in der Kapelle des Whitehall Palace die Ehe geschlossen. Bereits in London verdeutlichten aufwendig inszenierte Feierlichkeiten die besondere Bedeutung, die diese dynastische Verbindung hatte: Sie besiegelte die protestantische Allianz der Kurpfalz mit England. Die Heirat war als ein deutliches Signal gegen die katholisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa gedacht und wurde von der protestantischen Öffentlichkeit euphorisch gefeiert.

Triumphaler Einzug in Heidelberg

Der Einzug des Kurfürstenpaares in die Residenzstadt Heidelberg am 17. Juni 1613 wurde zu einem Triumphzug – die Feierlichkeiten dauerten mehr als zwei Wochen lang. Über den Straßen waren Blumenkränze aufgehängt und zahlreiche Triumphbögen säumten den Weg vorbei an der Universität und am Schloss. In einer der zahlreichen Veröffentlichungen über das Großereignis lässt sich nachlesen, wie begeistert die Heidelberger von Elisabeth Stuart gewesen waren: „Als nun in solchem ansehnliche und über die Maß herzlichen Inzug die Königin under der Stadt Arcu Triumphali durchgefahren, haben die zween darauff stehenden Knaben, so in Engelsgestalt angethan gewesen, die Cron auf die Gutschen herunder gelassen und sie hernacher widerumb hinauff gezogen.“ Grandioser Abschluss der Feierlichkeiten, bei der auch die Fürsten aus Württemberg und Baden teilnahmen, war das zweistündige Feuerwerk auf dem Neckar. Mit diesem Triumphfeuerwerk endete das Jahrhundertereignis der Vermählung mit großem Getöse. Zugleich bildet es den Auftakt der ereignisreichen Herrschaft des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz – die nur sechs Jahre dauern sollte.

Ein glamouröses Paar – eine glänzende Residenz

An die Repräsentationsfreude seines Vaters Friedrichs IV., des Schöpfers des prächtigen Friedrichsbaus, knüpfte sein Sohn Friedrich V. an. Als jugendlicher Fürst hatte er in wenigen Jahren einen erfolgreichen Lebensweg eingeschlagen. Er stand an der Spitze der protestantischen Union und versuchte, Politik auf europäischer Ebene zu machen. Nach dem triumphalen Einzug des Kurfürsten und seiner Frau ins Heidelberger Schloss inszenierte das Paar eine prachtvolle Hofhaltung – mit glänzenden Festen und Theateraufführungen im umgebauten Dicken Turm.

Repäsentationsbau und Garten

Für seine Ehefrau ließ Friedrich V. zwischen 1612 und 1614 einen standesgemäßen Wohnpalast, den Englischen Bau, errichten. Er war der letzte Residenzbau, der auf dem Heidelberger Schlossareal errichtet wurde. Die Inneneinteilung des repräsentativen Gebäudes hat sich nicht erhalten. Dass der Bau prächtig ausgestattet gewesen sein muss, zeigen Reste der Renaissance-Stuckaturen an den Fenstergewänden mit dem üppigen Dekor aus Girlanden und Früchten. Außerdem ließ der Kurfürst ab 1616 den Hortus Palatinus anlegen – ein spektakulärer Garten, geplant von Salomon de Caus, der am englischen Hof gelebt hatte und im Gefolge der Braut nach Heidelberg kam. 1618 hatte die Schlossarchitektur mit einem – in Bau befindlichen – Schlossgarten ihren Höhepunkt erreicht: Aus einer wehrhaften Burg war eine repräsentative Palastanlage entstanden.

Liebesheirat statt Zweckehe – in Stein gemeisselt

Die Ehe des prominenten Paares war nicht nur eine arrangierte Verbindung: Die ursprünglich aus politischen Gründen erfolgte Hochzeit entwickelte sich zu einer Liebesehe. Ein steinernes Zeichen dieser Liebe ist das Elisabethentor am Stückgarten des Heidelberger Schlosses: Friedrich V. ließ den prachtvollen Triumphbogen zwei Jahre nach ihrer Hochzeit vor dem Palast seiner Frau, dem Englischen Bau, vom Architekten Salomon de Caus errichten. Der Legende nach war es ein Geburtstagsgeschenk, errichtet in nur einer Nacht! Das Tor ist ein wahres Kleinod: Es ist mit feinem Skulpturenschmuck verziert; im steinernen Laubwerk verstecken sich Tiere wie Frösche, Eidechsen und Eichhörnchen.

Exil nach wenigen glücklichen Jahren im Schloss

Sechs Jahre nach ihrem triumphalen Einzug im Schloss verließ das Kurfürstenpaar ihre Residenz, um in Prag im Oktober 1619 die böhmische Königskrone anzunehmen. Bereits wenige Monate später stellte Kaiser Ferdinand II. ihm seine Heere entgegen: In der Schlacht am Weißen Berg wurde König Friedrich vernichtend geschlagen. Den Spottnamen "Winterkönig" legte ihm die katholische Partei zu, weil sie sich sicher waren, seine Herrschaft würde den Winter nicht überstehen. Sein Königtum in Böhnen dauerte allerdings ein ganzes Jahr. 1621 verhängte der Kaiser über ihn die Reichsacht, enthob ihn seiner Würden – und vor allem seiner Besitzungen. Von dieser Niederlage erholte sich die Kurpfalz als eine der vormals großen Mächte im Reich nicht mehr. Friedrich und Elisabeth flohen ins holländische Exil nach Den Haag. Am 29. November 1632 starb Friedrich nach wiederholten Rückkehrversuchen in Mainz. Elisabeth blieb in Den Haag, wo ihr Hof zu einem geistigen und kulturellen Treffpunkt wurde. Eine Rückkehr in die Kurpfalz kam für sie nicht in Frage, viel lieber wäre sie wieder zurück nach England gegangen. Aber erst nach vierzig Jahren im Exil kam sie 1661 in ihre Heimat zurück. Bereits im darauffolgenden Jahr, am 13. Februar 1662, starb sie im Haus ihres Freundes Lord Craven in London.

Schloss Heidelberg

Täglich 9 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16.30 Uhr

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