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Schloss Mannheim

8. April 1806: Napoleons Adoptivtochter heiratet den badischen Thronfolger

(ssg) Am 8. April 1806, heute vor 215 Jahren, heirateten die kaiserliche Prinzessin Stéphanie de Beauharnais und der Erbprinz Carl Ludwig Friedrich von Baden in den Tuilerien in Paris. Eine Hochzeit mit weitreichender Bedeutung, denn sie brachte eine Französin auf den badischen Thron – und Pariser Eleganz ins Mannheimer Schloss.

Karl von Baden. Bild: LMZ/SSG/Armen Weischermannheim_stephanie.jpgKarl von Baden. Bild: LMZ/SSG/Armen Weischer

François Gérard: Porträt der Stéphanie de Beauharnais (1789-1860). Schloss Mannheim. PD

Durch Adoption zur kaiserlichen Prinzessin

Stéphanie Louise Andrienne de Beauharnais – besser bekannt als Stéphanie von Baden – wurde mitten in den Wirren der Französischen Revolution am 28. August 1789 in Versailles geboren. Nichts deutete darauf hin, dass sie als Tochter des Hauptmanns der königlichen Leibgarde Claude de Beauharnais und dessen Frau Claudine einst einen badischen Prinzen und Thronanwärter heiraten würde. Nach verschiedenen Umzügen in ihrer Kindheit lebte sie schließlich in Südfrankreich. Napoleon Bonaparte ließ sie, als eine entfernte Verwandte seiner Frau Joséphine de Beauharnais, nach Paris holen und ermöglichte ihr eine standesgemäße Ausbildung. Schon früh hatte der Kaiser der Franzosen Pläne, sie später strategisch zu verheiraten – eine Ehe, die seine Bündnisse stärken sollte. Dafür adoptierte er sie 1806, nach dem Ende ihrer Schulausbildung.

Ein junger Grossherzog

Carl Ludwig Friedrich von Baden (1786-1818) war der Sohn von Karl Ludwig von Baden und Amalie von Hessen-Darmstadt. Als einziger Sohn und damit Erbprinz von Baden erhielt er eine sorgfältige und strenge Erziehung. Mit gerade einmal 15 Jahren besuchte er auf einer großen Reise gemeinsam mit seinem Vater seine Schwestern, die zu diesem Zeitpunkt schon Zarin von Russland und Königin von Schweden waren. Bei dieser Reise starb sein Vater bei einem Sturz aus dem Wagen. Noch war Carls Großvater, Karl Friedrich, Markgraf von Baden, doch nach dem Tod Carl Ludwigs war klar, dass sein Sohn Carl früh Regierungsverantwortung würde übernehmen müssen.

Die Hochzeit von Stéphanie de Beauharnais und Carl von Baden war Bestandteil der dynastischen Bündnispolitik des französischen Kaisers Napoleon. Durch seine Adoption hatte er Stéphanie zur standesgemäßen Braut für einen Erbprinzen gemacht. Allerdings legte Napoleon bei den Verhandlungen mit Carls regierendem Großvater, dem Markgrafen von Baden, noch mehr in die Waagschale: Er bot Karl Friedrich die beträchtliche Vergrößerung des badischen Territoriums und die Erhebung zum Großherzog an. Das Angebot konnte kaum abgelehnt werden! Am 8. April 1806 wurde die Hochzeit in den Tuilerien gefeiert. Stéphanie und Carl blieben in Paris, bis sie im Juni ihre neue Residenz, das Mannheimer Schloss, bezogen.

Das badische Erbprinzpaar in der ehemaligen Kurpfalz

Das riesige Schloss war seit dem Ende der Kurpfalz 1803 zur badischen Nebenresidenz geworden – die Hauptresidenz befand sich in Karlsruhe – und das junge Ehepaar bezog in Mannheim seinen ersten gemeinsamen Wohnsitz. Nach dem Tod des Großvaters Karl Friedrich 1811 übernahm Carl mit 25 Jahren die Regierung und das Paar zog ins Karlsruher Schloss. Als Carl erkrankte und 1818 starb, erhielt Stéphanie Mannheim als Witwensitz. Mit ihrem Hofstaat bezog sie den westlichen Schlossteil und lebte hier als hochgeachtete Persönlichkeit – 42 Jahre lang.

In Mannheim machte sich Stéphanie einen Namen als Gastgeberin angesagter Privatgesellschaften mit Lesungen, Mal- und Zeichenstudien sowie guter Unterhaltung. Die ehemalige kurfürstliche Residenz erlebte unter ihr eine zweite Blüte. Ihre Wohnräume ließ Stéphanie von Baden im Empire-Stil, dem Stil des französischen Kaiserreichs, umgestalten: Moderne Möbel schmückten nun die Räume. Hofmaler Carl Cuntz entwarf elegante klassizistische Friese und Wandpfeiler mit antik wirkenden Motiven. Sie übernahm in Mannheim repräsentative Aufgaben für das Großherzogtum. Stéphanie von Baden starb am 29. Januar 1860 in Nizza. Sie ist in der Fürstengruft der Schloss- und Stiftskirche St. Michael in Pforzheim bestattet.

Schloss Mannheim

Nach der Corona-Verordnung des Landes sind die Schlösser Mannheim und Schwetzingen sowie der Schlossgarten Schwetzingen zur Zeit geschlossen. Die Öffnung der Monumente ist abhängig von der Entwicklung der Inzidenzzahlen im jeweiligen Stadt- oder Landkreis. Aktuelle Informationen unter: www.schloesser-und-gaerten.de.

 

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